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Interviews

Noch öfter als von einer Reportage sprechen Zeitungsmacher von einem Interview. Dabei schient zumeist nicht klar, dass dieser Begriff gleich drei Bedeutungen haben kann. Er steht ebenso für das Gespräch im Rahmen der Recherche wie für zwei unterschiedliche Darstellungsformen, die hier kurz vorgestellt werden sollen.

Das direkte, das wörtliche Interview dürfte die bekanntere Form sein. Hier werden Fragen und Antworten im Wechselspiel aufgeführt. Der Leser soll das Gefühl bekommen, dem Gespräch wie einem Hörspiel zu lauschen. Die Beteiligten werden zumeist mit Namen genannt und ihre Aussagen unverändert übernommen.

Gerade dieses Interview ist dabei nicht auf ein Zwei-Personen-Gespräch beschränkt. Seine volle Wirkung kann es zumeist erst entfalten, wenn der Journalist als Vermittler zwischen zwei Gesprächspartnern mit unterschiedlichen Meinungen auftritt. Er wird dabei zum Moderator, muss die Aussagen der anderen beiden lenken und darf nur hin und wieder selbst nachfragen.

Ein solcher Artikel lohnt sich, wenn es viele knackige Zitate gibt oder der Schlagabtausch so interessant ist, dass es auf jedes einzelne Wort ankommt. Gerade bei Schülerzeitungen kommt diese Form gerne zum Einsatz, da Fragen und Antworten leicht zu lesen erscheinen und sich mit vergleichsweise wenig Text auch schnell einmal eine ganze Seite füllen lässt.

Dabei erfordert ein gutes Interview aber mehr als nur das Abtippen einer Aufnahme mit dem MP3-Player. Wenn das Gespräch für den Leser interessant wirken soll, muss ein einleitender Absatz die Gesprächspartner kurz vorstellen und erklären, wie es zu diesem Gespräch kam. Auch müssen die Aussagen auf das Wichtigste beschränkt werden.

"Ähhs" und "Hmmmms" fallen aus dem Text heraus und angesichts des knappen Platz in der Zeitung können zumeist auch nicht alle Fragen und Antworten berücksichtigt werden. Die gute Auswahl der wichtigsten Wortwechsel und eine Zusammenfügung, die den Sinn nicht verändert, sind die Hürden, die der Journalist nehmen muss.

Äußerlich ganz anders stellt sich das indirekte Interview dar, die Interview-Story. Sie kann ihre volle Wirkung entfalten, wenn neben den Worten eines Gesprächs auch Gesten oder das Umfeld des Gesprächs wichtig werden. Gerade bei Vorstellungen von neuen Lehrern und anderen Portraits ist die Interview-Story eine lohnende Alternative zum wörtlichen Interview.

Zunächst sieht ein solches Interview nicht nach einem Interview aus. Der Fließtext wirkt wie bei einem Feature – komplette Sätze werden aneinander gereiht und viele Zitate lockern den Text auf. Hier steht die Kombination aus Gehörtem und Gesehenem im Vordergrund.

Ein Beispiel einer Vorstellung des neuen Schulleitern soll dies verdeutlichen:


Klassische Musik dringt leise durch die Tür des frisch gestrichenen Zimmers, das Heinz Müller als neuer Direktor bezogen hat. „Wo sind die Mädels denn nun?“, fragt eine fremde, dunkle Stimme als wir eintreten. „Ahh, ihr macht also die Schülerzeitung!“ begrüßt uns der neue Schulchef schließlich mit einem freundlichen Lächeln. „Ich hoffe, die Musik stört euch nicht“, schmunzelt er mit einem Fingerzeig auch den alten Plattenspieler. „Das hilft mir beim Entspannen. – Was wollt ihr denn von mir wissen wissen?“, fragt er gleich weiter als er merkt, dass wir schon fleißig mitschreiben. ...



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